Dec 202011
 
Herbert Marcuse : Psychoanalyse und Philosophie, Nachgelassene Schriften, Bd. 3. zu Klampen Verlag, Lüneburg, 2002
Nach Fromms Ausschluß aus dem Institutfür Sozialforschung, blieb Marcuse der einzige Denker der„Frankfurter Schule“, für den die Psychoanalyse mehrbeinhaltete als einen unumgänglichen Beitrag zur Analyse desbeschädigten Lebens.
Im Gegensatz zu Horkheimer und Adorno, zieht esMarcuses Denken immer wieder zu den Möglichkeiten eines Auswegs aus dertotalitären Vermittlung der Kulturindustrie. Mit dieser Absicht nimmt auchdie Psychoanalyse bei Marcuse eine unvergleichbar zentralere Stellung ein. Wosich Horkheimer und Adorno auf eher abstrakt allgemeine Hinweise auf diebefreienden Möglichkeiten einer elitistischen Kunstavantgardebeschränken, entwirft Marcuse, im Kontext der Freudschen Metapsychologie,die Grundzüge eines nicht beschädigten Lebens und der dazuunumgänglichen besseren Gesellschaft.
Diewissenschaftliche Gleichschaltung und die Reduktion auf technischesSpezialistentum berauben, nach Marcuse, die Psychoanalyse derÜbertreibungen und Spekulationen die ihre politische Bedeutung ausmachen. Daß die Metapsychologie aber nicht nur theoretischeGesellschaftskritik bedeutet, zeigt Marcuses Versuch ihr Richtlinien fürein praktische Gesellschaftsänderung abzugewinnen. Diese Änderung imGroßen ist freilich nur durch eine Veränderung der Subjektivitätdes Individuums im einzelnen zu bewerkstelligen; durch die Herstellung einerneuen Sensibilität.